Das Stimmen der Harfe – Teil 2

Hier finden Sie: „Das Stimmen der Harfe Teil 1“

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Buch „Spirituell leben mit der Harfe“ von Norbert Maier, welches demnächst erscheinen wird.

Gedanken zum Thema „Stimmen“

Aus den „Laws of Wales“ des 13. Jahrhunderts (1) wissen wir, dass es drei unentbehrliche Dinge für einen Mann von hohem Stand gab: „seine Harfe, sein Mantel und sein Schachbrett“, während zu den entscheidenden Dingen, die ein jeder Mann in seinem Hause haben sollte, „ein tugendhaftes Weib, ein Kissen auf dem Stuhl und eine gestimmte Harfe“ gehörten.

Bevor wir die erste Note spielen, ist es wichtig, dass wir lernen, wie wir selbst in die rechte Stimmung kommen und darin verbleiben. Ich möchte den Begriff „Stimmen“ etwas weiter fassen, weil er mit allen Aspekten unseres Lebens zu tun hat.

„Stimmen“ bedeutet, etwas in Harmonie zu bringen. Auf der einfachsten Stufe bringen wir unsere Harfe in sich in Harmonie. Manche empfinden es als vergleichsweise einfach, das Instrument zu stimmen. Andere wiederum plagen sich mit dem Vorgang des Stimmens.

Beim Stimmen eines Instrumentes lernt man zugleich das Hören. In unserer heutigen Zeit dominiert viel zu sehr der Sehsinn (die visuelle Wahrnehmung) gegenüber dem Hörsinn.

Versuche, die Augen zu schließen und dich nur auf dein Gehör zu verlassen. Vertraue nicht den Augen, dann wirst du bemerken, wie sich mit der Zeit die anderen Sinne verbessern. Jeder, der das Zwitschern eines Vogels vom Bellen eines Hundes unterscheiden kann, kann auch einen hohen Ton von einem tieferen Ton unterscheiden und auch lernen, die Harfe nach Gehör zu stimmen. So, wie eine Mutter die Stimme ihres Babies von allen anderen unterscheiden kann.

Versuche, auf diese Weise „neu zu hören“, und du wirst keine Probleme haben, deine Harfe zu stimmen.

Doch noch etwas anderes ist zu bedenken. Nicht nur deine Harfe sollte gestimmt sein, es ist genau so wichtig, dass du in Überein-Stimmung bist mit deinem Instrument. Geradeso wie Sänger ihre eigene Stimme kennen, so solltest du deine Harfe kennen. Jede Harfe hat ihre besondere Eigenheit. Verschiedene Harfen können dich zu ganz verschiedenen Songs inspirieren. Erst wenn du mit deinem Instrument in Überein-Stimmung bist, bist du offen und frei für deine Musik.

Stimmung bedeutet noch viel mehr

Ein wesentlicher Aspekt unseres Weges wird sein, die innere Stimmung zu finden – jene Stimmung, die unseren Körper, unsere Seele und unseren Geist in Harmonie bringt.

Wenn wir unsere Spiritualität in unser Harfenspiel einbringen wollen, dann müssen wir frei sein von Seelenzuständen wie Ungeduld, Frustration und ähnlichem, sonst kann deine Musik nicht rein zur Erscheinung kommen. Es ist wie bei einem Radiosender, der nicht ganz genau justiert ist und immerzu von einem Rauschen gestört wird.

Das Spiel deiner Harfenmusik sollte das haben, was man in China ch´iyun nennt. Man könnte es ungefähr übersetzen als: “all-harmonische Schwingung des lebendigen Geistes”. Das ist die Harmonie höherer Art, die aus deinem Herzen direkt in die Herzen der Zuhörer schwingt.

Lerne, ch´iyun wiederzuerkennen in der inspirierenden Musik anderer Menschen, in Bildern, die dir gefallen, in den Bewegungen eines Tänzers oder Athleten. Wenn du dann diesen einen Moment der Transzendenz spürst, jenen Moment, der deinen Spirit erhöht – das ist das Gewahrwerden des großen Zieles, welches wir auf unserem Weg zu erreichen suchen.

Und dann gibt es noch das Stimmen im Zusammenspiel mit anderen Menschen. In Überein-Stimmung sein ist hier absolut erforderlich, damit eine Gruppe gemeinsam in Harmonie funktioniert. Es ist der Urgrund auf dem Musiker aller Kulturen sich gegenseitig finden.

Stimmung im sozialen Zusammenhang

Sinne nach über das „Stimmen“ im sozialen Zusammenhang. Wie viele Musikgruppen sind auseinander gegangen aus Gründen, die nichts mit Musik zu tun haben – nur weil sie nicht miteinander konnten. Wie viele Ehen, Teams, Regierungen und Vereinigungen leben und arbeiten nicht richtig miteinander, weil die Menschen nicht zu einem harmonischen sozialen Gesamtwerk zusammenfinden.

Wenn Menschen nicht in Überein-Stimmung miteinander sind, trägt das zur Disharmonie in der Welt bei. Manchmal ist der einzige Weg, der die Menschen wieder miteinander versöhnt und in „Stimmung“ bringen kann, Mitgefühl, Mut und Selbstlosigkeit. Dies sind die mühsameren Wegstrecken auf dem Weg der Harfe mit dem Ziel die heilenden Kräfte zu wecken.

Die Harmonie zu finden in uns, mit anderen, mit der ganzen Natur, das ist es, was ich unter dem umfassenden Begriff des „Stimmens“verstehe.

  • Anmerkungen:
  • (1) Literatur: Jenkins, Dafydd. Law of Hywel Dda

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